Do-In-Übungen zur geistigen und körperlichen Entwicklung

Do-In hat seinen Ursprung in den alten Traditionen des Fernen Ostens, heute jedoch wird es von mehr und mehr Menschen in der östlichen wie auch in der westlichen Welt gelernt und praktiziert. Die Einführung von Do-In im Westen verdanken wir zu einem Grossteil den Lehren von Niyoiti Sakurazawa (George Ohsawa), seinen Mitarbeitern und Studenten.

Was ist Do-In

Um die Harmonie des einen unendlichen Universums zu verwirklichen und zu erhalten, ziehen sich entgegengesetzte Kräfte und Tendenzen untereinander an, um einen ausgeglichenen Zustand zu erreichen.

Dieser Bewegungsfluss der universellen Anziehung zwischen verschiedenen Kräften und Tendenzen wird in unserer menschlichen Sprache als „Liebe” bezeichnet. Deshalb ist Liebe universell und unvergänglich, sie entsteht überall und zu allen Zeiten, zwischen Mann und Frau, Kohlenstoff und Sauerstoff, Elektronen und Protonen, Tiefdruck und Hochdruck, kalt und heiss, langsam und schnell, plus (+) und minus (-) in der Elektrizität und dem Magnetismus, dunkel und hell, Nord und Süd, Ost und West, Geist und Materie, zwischen langen und kurzen Wellen, wann und wo immer alle relativen Erscheinungsformen gegensätzlicher Tendenzen sich einander anziehen, um Harmonie hervorzubringen.

Die Neuentdeckung von Do-In nach dem Zweiten Weltkrieg

Es war Meister Ohsawa, welcher seine Schüler in die Welt schickte, um den Menschen die Makrobiotik zu lehren. Dazu gehören auch die Do-In-Übungen. Die meisten dieser alten makrobiotischen Übungen waren in vielen Bereichen grösstenteils verlorengegangen, obwohl einige davon von einer geringen Anzahl ehrlich suchender Menschen im Fernen Osten praktiziert wurden. Der gesamte Bereich der Do-In-Übungen beschränkt sich nicht nur auf die verschiedenen Reihenfolgen von Übungen. Diese überlieferten makrobiotischen Übungen sind in Wirklichkeit der Ursprung vieler körperlichen, seelischen und geistigen Übungen, die sich in verschiedene Formen der Meditation, des Zazen, des Rezitieren von Mantras, von Yoga-Übungen, der asiatischen Kampfes- und Selbstverteidigungskünste, wie auch in anderen Methoden der Selbstentwicklung unterteilen.

Der Ursprung von Do-In

Der Ursprung von Do-In ist ganz einfach unsere intuitive Entwicklung und Anpassung, um uns selbst im Ozean des universellen Lebens oder des unendlichen Universums zu erhalten und weiter zu entwickeln. Aus diesem Grunde ist das geschichtliche Entstehen des Do-In unbekannt, aber es hat sich von Generation zu Generation in der Menschheit erhalten. Die Ursprünge von Do-In gehen bestimmt in der Geschichte 10’000 Jahre zurück.

Was bedeutet das Wort Do-In

Die Wortzusammensetzung DO-IN bedeutet sinngemäss „Ein Weg zu Gesundheit und Glück“. Do bedeutet Weg. Und In bedeutet Glück und Gesundheit. Do-In ist ein japanischer Begriff aus Japan und steht im engen Zusammenhang mit Shiatsu.

Die Bedeutung von Dô

In der alten Zeit von China nannten die Menschen den Pfad der Sonne „天道 (Tendô)“, „Der Weg des Himmels“, unter dem Himmel. Der Weg der Erde wurde „大道 (Daido)“ genannt, „Der grosse Weg“, und der Weg, durch den alle Menschen gehen „人道 (Jindo)“, „Der Weg der Menschen“.

Alle traditionellen Künste Japans haben eines gemeinsam, nämlich den Begriff des „Weges“ (道 sino-japanisch „Dô“ oder reinjapanisch „Michi“). Ki-no-Michi. Der Weg des Ki – oder Aiki-no-Michi, der Weg von Aikido.

Do-In-Taiso

Taiso bedeutet in der japanischen Sprache Gymnastik.

Es gibt viele Übungen und Behandlungsmethoden, um unseren körperlichen, seelischen und geistigen Zustand zu verbessern: westliche und östliche Medizin, Psycho- und Physiotherapien, psychiatrische und körperliche Behandlungen, die Verwendung von chemischen und pflanzlichen Medikamenten wie auch verschiedene Techniken im Bereich der östlichen Medizin, wie z.B. Akupunktur, Moxa-Behandlung, Heilen durch Handauflegen und viele andere. Do-In jedoch besitzt im Vergleich zu diesen verschiedenen Richtungen der körperlichen, seelischen und geistigen Entwicklung einzigartige Charakteristika:

  • Do-In wurde von den alten Meistern in einer für uns unbekannten alten Zeit durch intuitive Bewegungen, welche die natürlichen Selbstanpassungsreaktionen eines jeden Menschen bedeuten, entwickelt.
  • Do-In ist im Gegensatz zu vielen medizinischen Behandlungen, asiatischen Kampfeskünsten und anderen Therapien, die der Mitwirkung anderer Menschen bedürfen, eine voll­ständige Selbstübung.
  • Beim Do-In benötigt man keine Instrumente, im Gegensatz zur Akupunktur, der Moxa-Behandlung und vielen anderen Körpertherapien. Do-In benutzt nur unsere eigenen körperlichen und geistigen Funktionen, durch Selbstanpassung richtig eingesetzt.
  • Die Do-In-Übungen zielen auf unsere körperliche Gesundung und unser Wohlergehen hin, aber sie übersteigen bei weitem das körperliche Ausmass und zielen auch auf die Entwicklung unserer seelischen und geistigen Fähigkeiten zur Erlangung einer wahren menschlichen Natur als eine Ganzheit in allen Dimensionen hin.
  • Die Do-In-Übungen können von jedem beliebigen Ort ausgeführt werden. Demzufolge können sie ohne Schwierigkeiten zu einem Teil unseres täglichen Lebens werden.
  • Do-In betrachtet die Menschen nicht nur als körperliche und materielle Existenzen, sondern als Manifestation der Schwingungs- und geistigen Bewegung, die in den unendlichen Schwingungs- und Energiedimensionen im Meer des unendlichen Universums erscheint.
  • Die Do-In-Übungen werden in Harmonie mit der natürlichen Umwelt ausgeführt und man wendet die günstigste Zeit, Ort und Stellung wie auch natürliche Erscheinungen, wie die Bewegungen der Sonne und des Windes, an.

 

Viele Menschen verstehen Do-In-Übungen als einen Teil der Shiatsu-Praxis. Das ist jedoch viel zu kurz gedacht. Die Do-In-Taiso (Do-In-Übungen) können bei regelmässiger Anwendung der Entwicklung unserer menschlichen Entwicklung für körperliche Stärke, seelisches Vertrauen und geistige Klarheit dienen.

Diese Übungen wurden traditionell von den Menschen im Fernen Osten immer angewandt und weiter entwickelt. Diese Übungen wurden speziell verfeinert und zusammengestellt als eine von mehreren Do-In-Übungsreihen, die von jedem am frühen Morgen bei Sonnenaufgang einfach praktiziert werden können. Jede Übung sollte ausgeführt werden wie das ruhige Fliessen von klarem Wasser in einem sanften Strom und unsere Ausführung der gesamten Reihe sollte ohne jede Unterbrechung von einer Übung zur anderen vonstattengehen, so wie Quellwasser unter den Sträuchern in den Bergen hervorsprudelt und einen Strom bildet, der fortwährend nach unten fliesst, Wassermassen ansammelt und zu einem Fluss wird, der zuletzt das Meer erreicht.

Hier einige Basis-Do-In-Übungen:

  1. Sei-Za: Die Natürliche Richtige Haltung und die Natürliche Atmung.
  2. Mei-So-K o-Kyu: Meditation und Atmung
  3. Chin-Kon: Das Gebet der Einheit
  4. Haku-Shu: Reinigung durch Händeklatschen
  5. A-Um: Vergeistigung durch Klang-Schwingungen
  6. Ten-Ko: Die Himmlische Trommel schlagen
  7. Ten-Ro: Den Himmlischen Tau trinken
  8. Kan-Ro: Den Nektar in der Meditation schmecken
  9. Ten-Gaku: Die Himmlische Musik hören
  10. Ko-Myo: Das Innere Licht sehen
  11. Wa-On: Tönende Harmonisierung
  12. Hei-Wa: Befriedung der Welt

 

Es gibt unzählige Do-In-Übungen. Ich zeige Dir eine Übung aus dem Aikido (Aiki-Taiso – Kokyū-Hō).

Kokyū-Hō:

Kokyū-Hō sind Übungen in den japanischen Kampfkünsten, welche die Atemkraft (Kokyū) fördern.

In der Schulung von Aikidō werden entsprechende Übungen häufig ausgeführt, da sie speziell das KI stärken. Ziel der Übungen ist, den Partner ohne physische Kraftaufwendung aus dem Gleichgewicht zu bringen. Dabei erlernt der Übende den Schwerpunkt des Partners ohne eigene muskuläre Spannung exakt zu erfühlen und diesen durch die Verschiebung von dessen Schwerpunkt aus dem Gleichgewicht zu bringen.

Kokyū-Hō besteht aus zwei Silben: Kokyū bezeichnet Energieentfaltung mittels Atemkraft; Hō bedeutet Übung, Aufgabenstellung. Genauer bezeichnet ist Kokyū der Atem, Kokyū dōsa heisst Atemkraftbewegung aus dem Seiza, und Kokyū-Hō ist eine Übung zur Entwicklung der Atemkraft. Kokyū-Hō bedeutet demnach eine Übung zur Entwicklung der optimalen Krafteinwirkung mittels der Atemkraft.

Ablauf der Übung

Kokyū-Hō beginnt bei Ausführung in sitzender Position, indem beide Partner sich auf den Fersen gegenübersitzen (Seiza). Uke, in der Rolle des Angreifers, fasst beide Handgelenke seines Gegenübers. Der Aikidōka bzw. verteidigende Partner (jap. Tori oder Nage) entwickelt in der Folge Druck mit Projektionsrichtung gegen die Schultern von Uke. Dieser Druck soll in entspannter Haltung aus der Bauchgegend heraus aufgebaut werden. Dies geschieht optimal, indem das Eigengewicht an den Partner entspannt angelehnt wird. Das entspannte Anlehnen sorgt für eine muskuläre Streckung der beteiligten Körperpartien. Diese Entspannungshaltung wird in der Übung beibehalten, da muskuläre Krafteinwirkung mittels Kontraktion zu unerwünschter Körperspannung führen würde, was die Wahrnehmung und die optimale Umsetzung unmöglich machte.

Mit Umfassen beider Handgelenke wird Druck aus dem eigenen Schwerpunkt heraus in Richtung der Schultern von Uke ausgeübt. Die symmetrische Krafteinwirkung mit Projektion zu den Schultern provoziert Uke zum erwünschten Gegendruck, jedoch ohne nennenswerte Muskelkraft. Der symmetrische Gegendruck von Uke kann von Tori (Nage) manipuliert werden, indem dieser auf einer beliebigen Seite den Druck geringfügig reduziert, aber nicht in eine Zugkraft umwandelt, da diese bei Uke reflexartig zu Gegenzug führte; der Druck soll aufrechterhalten bleiben. Ziel dieser Kraftlenkung ist, Ukes Schwerpunkt aus dem Gleichgewicht zu bringen. Durch die geringfügige Reduktion des Druckes nimmt Uke keine Veränderung wahr. Er behält den Druck beidseitig aufrecht. In der Realität hat sich die Kraftverlagerung aber bereits eingestellt, was Uke zum seitlichen Umkippen bringt.

Im Ablauf der Folgebewegung drehen sich nun beide in der Fallrichtung von Uke zur Seite. Uke kommt nach dem seitlichen Umkippen rücklings zu liegen. Tori dreht sich synchron mit und behält den gelinden Druck auch in der Folge aufrecht, was Uke ebenfalls zur Aufrechterhaltung seines Gegendrucks, selbst in liegender Position, verleitet.

abbildung: morihiro saitō bei einer kokuyo-ho demonstration
Abbildung: Morihiro Saitō bei einer Kokuyo-Ho-Demonstration

Dieser Übungsablauf wird fliessend wiederholt. In der Bewegung zum Aufsitzen von Uke wird der Druck bereits wieder aufgebaut und kann noch während des Aufrichtens von Uke zur wiederholten Gleichgewichtsmanipulation genutzt werden.

Quellen und Bücher

INYOLOGIE – Die detaillierte Lehre von Yin und Yang

InYologie – Die detaillierte Lehre von Yin und Yang

Die InYologie ist ein magischer Kompass, um die Naturgesetze und die Ordnung im Universum zu verstehen.

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