Zazen – Einfach nur sitzen – Shikantaza

von | Bewusstsein

Zazen

Heutzutage ist es leider so, dass in den meisten Schulen, in denen Kampfkünste geübt werden, der Meditation und den traditionellen Ritualen viel zu wenig Bedeutung beigemessen wird. Oftmals sind nur noch fragmentarische Überreste davon zu sehen, oder sie werden sogar ganz weg gelassen. Ich möchte deshalb hier die wichtigsten Punkte aufführen.

Richtige Haltung
Da Karateka in der Regel kein Zafu (SitzKissen) im Dojo haben, ist die traditionelle Lotoshaltung wie sie die Mönche praktizieren, nicht praktisch. Wir sitzen deshalb im traditionellen Seiza.

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Die Knie sind soweit auseinander, dass sie zusammen ein gleichseitiges Dreieck bilden (meistens sind sie zu weit- oder zu nahe auseinander). Das Becken ist ab der Höhe des fünften Lendenwirbels nach vorne geneigt. Die Wirbelsäule wird gut gewölbt, und der Rücken gerade gehalten. Du drückst mit den Knien auf die Erde, und mit dem Kopf gegen den Himmel. Das Kinn wird zurückgezogen und der Nacken gut gestreckt.

Der Bauch ist entspannt und die Nase steht in senkrechter Linie über dem Nabel. So bist Du wie ein gespannter Bogen, mit dem Geist als Pfeil.

Nachdem Du diese Haltung eingenommen hat, legst Du die Fäuste (Daumen nach innen) auf die Schenkel in der Nähe der Knie, und balanciert den Rücken ganz gerade aus; sieben, acht Mal nach links und rechts.

Die Pendelbewegungen werden immer weniger, bis Du ganz entspannt in der eigenen Mitte sitzt. Die rechte Hand legst Du mit der Innenfläche nach oben, genau vor Dein Hara. Den linke Handrücken legst Du auf die rechte Handinnenfläche, beide Daumenspitzen sind gegeneinander gestützt. Die Daumen bilden zusammen mit den Handflächen ein Oval, in dessen Mitte das Hara ist. Die Daumen bilden weder Berg noch Tal. Diese Position heisst „Hokai-Jo-In“.

Hocke dann mit aufrechtem Körper, ohne nach links oder nach rechts zu neigen, oder Dich nach vorne oder nach hinten zu neigen. Ohren und Schultern, Nase und Nabel, müssen in gleicher Linie zu einander stehen.

Die Zunge liegt am oberen Gaumen hinter den oberen Schneidezähnen an, Lippen und Zähne sind geschlossen, (KI-Zentrum verbinden) aber die Augen sind stets halb geöffnet. Schon ist die Körperhaltung bestimmt.

Der Meister kann jedoch, je nach Situation, dem Zustand der Schüler, andere Verhaltensweisen anordnen, um in späteren Schritten in die Grundhaltung zu wechseln. Manchmal erkennt der Meister, dass es für den Schüler besser ist, zum Beispiel eine Zeitlang mit geöffneten- oder geschlossenen Augen, mit geöffnetem Mund zu atmen, und so zu üben, usw. Dies sollte die Schüler nicht verwirren.

 Nun regle die Atmung. Auch hier ist auf die Führung des Meisters zu vertrauen, und seine Anweisungen genau zu befolgen.

Es gibt eine ganze Anzahl von Atemtechniken. Aber nicht jede ist für jeden Zustand die Richtige! Wenn Du ohne genaue Kenntnis der verschiedenen Atemtechniken, ohne über dessen Auswirkungen genau Bescheid zu wissen, die falsche für die jeweilige Situation anwendest, kann dies schädlich, oder sogar gefährlich werden. Also befolge die Anweisungen des Meisters genau.

Wenn ein Gedanke aufsteigt, merke ihn, wenn Du ihn gemerkt hast, lass ihn los! Bei langem Üben vergisst Du die Objekte, und gelangst von selbst zur Konzentration.

Wenn Du den Sinn der Übung erfasst, fühlt sich der Körper leicht und beruhigt, der Geist erfrischt und klar. Die rechten Gedanken grenzen sich klar ab, der Alltag entspricht dem natürlichen Zustand.

Du musst wissen, dass wenn der rechte Zustand erscheint, Dunkel und Zerstreuung schwinden. Wenn man vom Hocken aufsteht, so bewege man sich langsam, und der Körper bleibt ruhig. Meide heftige Bewegungen. Wenn Du allzeit die Kraft der Sammlung bewahrst, überschreitest Du in dieser Bemühung alle Schranken, und wirst völlig vom selbst erfüllt, ohne jede Hinderung. Dies ist die Fülle des Weges.

Wie  die alten Meister lehrten, beruht das Transzendieren von „Profan und Heilig“ auf der Stille (des Zazen). Auch die Befreiung im Hocken und das Streben im Stehen beruht völlig auf der Kraft der Sammlung.

Die Koans vom heben des Fingers, vom Ort der Wildgänse, vom bemessen des Stockes und viele andere mehr. das Hinausschreiten aus dem Raum, die Lotosblume von Shakjamuni, das Klatschen einer Hand, usw., usw., diese werden von unterscheidendem Denken nicht verstanden, noch viel weniger kann man sie durch die Praxis von „Wunderkräften“ verstehen.

Deshalb disputiere nicht über Weisheit und Torheit. Unterscheide nicht zwischen scharfsinnigen und stumpfsinnigen Menschen. Folge einzig und allein dem Lauf des Tao!

Weshalb vergisst Du den Sitz im eigenen Haus und wendest dich nutzlos den Staubgefilden fremder Länder zu? Verbringe nicht vergeblich die Tage und Nächte. Denke stets daran, dem Tao zu folgen.

Die moderne Erziehung räumt der Sprache, der Worte, und der Diskussion, den ersten Platz ein, doch oft drücken die Worte nicht den wahren Geist, oder tiefinnere Bedeutung der Haltung aus. Wir müssen unsere Erfahrung „von meinem Herzen zu deinem Herzen“ „Ishin – Denshin“ übermitteln. Wir müssen üben, mit dem ganzen Körper zu denken. Nichtdenkend-denken (Hishiryo-denken).

In der Grundhaltung sind die Augen geöffnet, der Blick ist ca. einen Meter vor sich auf den Boden gerichtet. In Wirklichkeit geht er nach innen. Die halb geschlossenen Augen betrachten nichts, selbst wenn man intuitiv alles sieht! (Der Geist ruht in der linken Hand)

Atmung
Die Atmung spielt eine ganz wesentliche Rolle. Die Zen-Atmung ist mit keiner anderen zu  vergleichen. Wenn Du Dich auf ein langes, geschmeidiges, tiefes Ausatmen konzentriert, geschieht die Einatmung auf ganz natürliche Weise von selbst.

Die Luft wird langsam und leise ausgestossen, während der Durch das Ausatmen hervorgerufene Druck kraftvoll in den Bauch hinab steigt. Du „drückst“ auf die Eingeweide, und bewirkt so eine heilsame Massage der inneren Organe.

Nun gilt es zu wissen, dass die Zen-Atmung eine äussere-, und eine innere Atmung enthält. Die äussere Atmung ist die Atmung der Luft mit den Lungen (Sauerstoffzufuhr – Stickstoffabfuhr).

Die innere Atmung transportiert den Sauerstoff und das KI von der Lunge ins Blut, und in die Zellen im ganzen Körper.

Auch hier gibt es je nach Zustand und Situation, verschiedene Techniken, je nachdem wo und wie ein Gleichgewicht hergestellt werden will. Die falsche Art angewendet, kann ein Ungleichgewicht herstellen. (Das gilt es gut zu bedenken)

Innere Haltung
Die innere Haltung beim Kumite, darf nicht eine andere sein, als sie üblicherweise auch ist. Achte darauf, dass Du beim Kumite, wie auch im Alltag, immer der gleiche bist: offenen Geistes, ohne Umschweife, ohne sinnlose Anstrengung, aber auch nicht erschlafft. Dass Du unbefangen bist in deinem Herzen, und von ruhigem Gleichmut, aber dennoch keinen Augenblick in diesem Gleichmut versinkst.

Lasse dein Herz nicht darben, aber sorge dafür, dass es auch nicht übermässig Anteil nimmt.
Um im Kampf ein verlässliches Urteil zu bilden, bedarf es der langjährigen-, ausdauernden Übung. Du solltest alles daran setzen, auch in noch so grosser Bedrängnis durch den Gegner, die Prinzipien des Universums zu beachten, und eine gelassene innere Haltung zu bewahren.

Körperliche Haltung
Stehe, oder bewege dich aufrecht, den Kopf weder gesenkt, noch zum Himmel gewandt. Halte deine Gesichtszüge, deine Mimik, unter Kontrolle, und verziehe nicht dein Gesicht.

Der Gesichtsausdruck sei ruhig und entspannt. Gib Acht, dass die Augen nicht ziellos umherirren. Lass die Schultern hängen, aber halte den Rücken gerade. Ziehe das Gesäss ein, und stehe fest auf deinen Beinen. Halte den Bauch so gespannt, dass Du in den Hüften nicht einknickst. Aber sei nicht verkrampft, sondern locker und entspannt.

Deine normale Haltung sollte immer die Kampfhaltung sein, oder umgekehrt. Das musst Du dir gut einprägen!

Der Blick
Der Blick auf den Gegner im Kampf sei umfassend und offen. Man unterscheidet den durchdringenden-, und den wahrnehmenden Blick. Der Durchdringende Blick braucht viel-, der wahrnehmende Blick wenig Kraft.

Im Kumite kommt es darauf an, Fernes so deutlich zu sehen wie Nahes, und Nahes mit prüfendem Abstand zu schauen. Die Haltung des Gegners bis auf den Grund zu erkennen, und sich nicht Durch äussere Bewegungen ablenken zu lassen.

Behalte beide Seiten rechts und links im Blickfeld ohne die Augäpfel zu bewegen. Die Erfahrung zeigt, dass es beim Kumite keine bestimmte Grundhaltung gibt, die zwingend eingenommen werden muss.

Zwar gibt es verschiedene Grundstellungen die eingenommen werden können, (bei den Kyu-­Graden werden diese verlangt), aber die Meister müssen dies nicht tun, bei ihnen ist es egal, ob sie sie einnehmen oder nicht. Die Stellung und Haltung muss lediglich mit der jeweiligen Situation harmonisieren, muss mit seinem Gefühl übereinstimmen.

Als Wegweiser möge die folgende Weisheit dienen:
Mit dem Netz fängt man Fische, nimm die Fische und vergiss das Netz. Mit der Falle fängt man Hasen, nimm den Hasen und vergiss die Falle. Mit Worten drückt man Gedanken aus, nimm die Gedanken und vergiss die Worte. Wo finde ich einen Menschen, der die Worte vergisst, auf das ich mit ihm reden kann?

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André Blank

Autor: André Blank

André ist Gesundheits-Mentor und Autor. Er ist der Gründer, Inhaber und CEO der Vivoterra® AG.

Er ist überzeugt, dass alle Menschen mit gesundem Herz-KI – der wahren Liebe – ein Leben im Vertrauen, Frieden, Freiheit und Gesundheit, leben dürfen – und dass wir das Potential haben, ein solches Leben für uns selbst zu verwirklichen.

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